4. Abend – WUNDEN ZU WUNDER

01 Gedanken zum Thema

Noch nie war es so einfach andere zu verletzen – und selbst verletzt zu werden. Ein kurzer Kommentar auf Social Media, ein Bild im falschen Chat, ein gemeiner Spruch im Klassenchat – und schon sitzt der Stich tief. Was früher im Gespräch ausdiskutiert wurde, ist heute öffentlich, dauerhaft sichtbar und für viele mitlesbar. Hatespeech, Ausgrenzung, Bloßstellung und Mobbing gehören für viele Jugendliche zum Alltag. Jugendliche spüren den Druck, stark zu wirken. Freude ist okay. Aber Wut? Traurigkeit? Angst? Scham? Für viele scheinen solche Gefühle keinen Platz zu haben – weder im Netz noch im echten Leben. Also wird geschwiegen, verdrängt, überspielt.

Doch die Sehnsucht nach Ganzheitlichkeit und Authentizität ist groß. Viele wollen ehrlich zeigen, was sie denken und fühlen. Doch wenn es um die eigenen Verletzungen geht, wird es kompliziert.  Darf ich sagen, dass ich verletzt bin? Oder macht mich das schwach, uncool – oder sogar lächerlich?
Dabei verletzt jeder mal – nicht nur andere, sondern auch sich selbst. Manche tun es absichtlich, andere merken es gar nicht. Am Ende bleiben Wunden beim Verletzten zurück und Schuldgefühle beim Verletzenden. Dazu kommt oft Scham – über das, was passiert ist, oder darüber, wie man selbst damit umgeht.

In der Öffentlichkeit des Alltags begegnen uns selten offen zur Sprache gebrachte Verletzungen, sondern vielmehr die Bewältigungsstrategien. Es gibt ein breites Spektrum von Verdrängung, Isolation, Essstörung, Selbstverletzung, Coolness. Alles Versuche mit dem Schmerz klarzukommen. Deshalb braucht es Schutzräume. Orte, wo man ehrlich sein darf. Orte, an denen Heilung beginnen kann. Und es braucht Menschen, die zuhören. Die nicht alles besser wissen wollen. Sondern einfach da sind. Verlässlich. Ehrlich. Echt. Denn: Niemand muss allein mit seinen Verletzungen bleiben.

02 Einführung in den Bibeltext – Johannes 8,1-11

Alles wird gut! – Was sich aus dem Mund von Menschen wie ein schwacher Trost anhört, ist bei Gott Möglichkeit und Wirklichkeit! Denn seine Auferstehungskraft macht neu und heilt, was zerbrochen ist.

Wenn Gott vergibt, heilt und sich zu uns stellt, dann macht er keine halben Sachen. Seine radikale Annahme schenkt Sicherheit – und das verändert unsere Haltung. Vergebung bedeutet: Schuld schwebt nicht mehr wie ein Schatten über uns. Gottes Gegenwart und Liebe bewirken, dass unser Herz mitwächst und wir barmherziger auf andere reagieren können. Jesus durchbricht auch den Kreislauf, dass wir als Verletzte andere verletzen. Das befreit.

Zielgedanke

Am Kreuz heilt Jesus unsere Verletzungen und nimmt unsere Schuld. Er schenkt uns einen Neuanfang!

03 Tipps für den Abend

01 Deko-Ideen

  • Schaft einen sanften gemütlichen Wohlfühlort mit indirektem Licht.
  • Tonscherben oder zerbrochenes Geschirr
  • Spiegel, durch den ein vertikaler Strich geht – die eine Hälfte ist hell, die andere ein wenig eingedunkelt (z.B. graue Wassermalfarbe dünn aufgetragen), alternativ ein vertikaler Zickzackstrich, wie man ihn für ein gebrochenes Herz verwendet
  • Überdimensionale Pflaster

02 Musik

  • Coldplay – Fix You
  • O’Bros – Wunden zu Wunder
  • R.E.M. – Everybody Hurts
  • Coldplay – Trouble
  • Mark Forster – Rettest du mich
  • Lea – Zu dir
  • Forrest Frank – Always
  • Forrest Frank – Never Left My Side
  • Forrest Frank – In The Room (eher weit am Ende)
  • Cory Asbury – Reckless Love

03 Reaktionsmöglichkeiten

Bitte haltet hier enge Absprachen mit der Evangelistin/dem Evangelisten!

  • Tonscherben, die wahlweise beschriftet werden können, die man als Bild für die Bruchstücke unseres Lebens zum Kreuz bringen kann
  • Ein alt aussehendes Holzkreuz, zu dem die Jugendlichen während einiger Lieder kommen können. Sie können es berühren, kurz davor knien, es einfach nur anschauen, …
  • Herumliegende Steine im Raum, die man zum Kreuz bringen kann: Wo verurteile ich andere oder mich? Welchen Stein möchte ich ablegen und es Jesus überlassen, sich um die Situation zu kümmern?

04 Aktionen vor oder nach dem Programm

  • Gestaltet Kintsugi-Keramik: bei dieser Japanischen Kunstart wird zerbrochenes mit Gold repariert und somit noch wertvoller
  • Mit Spiegelmosaikscherben oder -steinen ein schönes Erinnerungsmosaik kleben
  • Upcycling-Workshops: aus scheinbar unbrauchbaren Teilen kann man noch richtig Gutes herstellen

04 Tipps fürs Bühnenprogramm

01 Einstieg in die Moderation

  • Zerschlage die Tongefäße, deren Scherben ihr später für die Reaktionsmöglichkeit nutzen wollt
  • Wenn ihr die Steine als Reaktionsmöglichkeit nutzt, verteilt sie auch auf der Bühne, damit du dich daran stoßen kannst
  • Witzige Geschichten: Was ist mir schon mal kaputt gegangen oder wie habe ich mich mal so richtig dumm verletzt?

02 Icebreaker

  • Emoji Umfrage (z.B. Als Wortwolke): Mit welchen Gefühlen sitzt du gerade hier?
  • Ich hab noch nie…: Die Jugendlichen reagieren (z.B. durch Aufstehen), wenn die Aussage auf sie zutrifft. – Dabei auch Aussagen wie „Ich hab noch nie einen Freund belogen.“ Oder „Ich wurde noch nie von einer Freundin verletzt.“

03 Interviewgäste

  • Jemand, der auf Social Media aktiv ist und schon mal mit einem Shitstorm oder Hasskommentar umgehen musste
  • Jemand, der von einer Versöhnung nach einem Streit in einer Freundschaft oder Beziehung erzählt
  • Justizbeamtin/ Bewährungshelfer
    • Wie denkst du über die Menschen, die dir tagtäglich begegnen?
    • Was ist dir im Umgang mit Tätern und Opfern wichtig?